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Der Super G bei den Paralympics in Cortina d’Ampezzo hat das volle Programm an Emotionen geboten: Abfahrts-Goldmedaillengewinnerin Anna-Lena Forster verpasste nach einem weiten Sprung auf Rang zwei liegend ein Tor und schied aus. Großen Jubel gab es dagegen bei einer Rückkehrerin: Andrea Rothfuss fuhr bei ihren sechsten Paralympics auf einen herausragenden vierten Platz. Anna-Maria Rieder und Debütant Alexander Rauen mit Guide Jeremias Wilke kamen jeweils auf Rang elf.
Anna-Lena Forsters Ziel nach ihrem Abfahrts-Gold war klar: Im Super G sollte eine weitere Medaille her. Die Spanierin Audrey Pascual Seco, der Forster im letzten Rennen den Gesamtweltcup in dieser Saison entrissen hatte und die sie in der Abfahrt um fünf Hundertstel besiegte, legte eine schnelle Zeit vor und führte, dann kam Forster als fünfte Starterin der sitzenden Klasse.
Bei der ersten Zwischenzeit lag sie drei Hundertstel in Führung, bei der zweiten 20 Hundertstelsekunden zurück – dann folgte ein Riesen-Satz über eine Kuppe und Forster verpasste das Tor. „Ich wollte einfach mein Bestes geben und das habe ich bis zu der Stelle auch geschafft. Ich war überrascht von den weiten Sprüngen, damit hatte ich nicht gerechnet, sonst hätte die Linie gut gepasst, um das Tor noch zu kriegen. Das ist das Schwierige am Super G, dass man keine Trainings hat“, sagte die 30-Jährige und gratulierte ihrer spanischen Konkurrentin herzlich: „Mir wurde gesagt, dass Audrey nicht so weit gesprungen ist, ich weiß nicht, was sie für eine Linie hatte und muss die Kuppe für morgen noch mal analysieren und dann gehen wir es einfach neu an.“
In der Super-Kombination hatte Forster 2014 mit Silber ihre erste von bislang zehn Paralympics-Medaillen gewonnen, 2018 und 2022 gab es Gold für die Athletin vom BRSV Radolfzell, die in Freiburg wohnt. Für den Dienstag erwartet sie einen erneut harten Kampf mit der jungen Spanierin: „Ich werde es morgen von der Mentalität her wieder gleich angehen, ich denke, das ist der richtige Weg. Ich muss Gas geben, sonst habe ich keine Chance gegen Audrey.“
Comeback nach zwei Jahren: Rothfuss ist "überwältigt"
Großen Jubel hatte es zuvor bei Andrea Rothfuss gegeben. Fast zwei Jahre fiel die 36-Jährige vom SV Mitteltal mit Depressionen aus, doch bei ihren sechsten Paralympics meldete sie sich mit Rang vier im Super G herausragend zurück und riss die Arme im Ziel ungläubig nach oben. „Als ich die Vier aufleuchten gesehen habe, dachte ich: Wahnsinn, Wahnsinn! Die drei Mädels vorne haben auch in der Abfahrt dominiert, die sind aktuell unschlagbar, deshalb ist der vierte Platz mega. Als ich dann die Zeit gesehen habe, war ich noch mehr aus dem Häuschen“, sagte Rothfuss, die 2006 bei den Paralympics in Turin ihr Debüt gegeben hatte.
Nach der Weltcup-Saison 2023/2024 musste Rothfuss aufgrund von Depressionen eine lange Pause einlegen, erst Mitte Dezember 2025 kehrte sie in den Weltcup zurück, allerdings nur in den technischen Disziplinen. „Ich habe die langen Ski vor zwei Wochen das erste Mal angezogen und habe bei den Trainings auch die ersten richtig guten Schwünge in den Schnee gezaubert. Dann war es so: Okay, come on, wir probieren das. Den Super G hatte ich ursprünglich nicht geplant. Das Rennen jetzt auf dem vierten Platz zu beenden, ist wirklich Wahnsinn. Das schien so lange so weit weg und ist mir so viel wert. Alleine dabei zu sein, fühlte sich für mich schon an wie ein Medaillengewinn. Es ist überwältigend.“
Anna-Maria Rieder war mit Platz elf nicht ganz glücklich. „Ich fühle mich so naja, wenn ich ehrlich bin. Es war überhaupt nicht so schlimm und viel leichter zum Fahren, als ich gedacht habe. Es nervt mich, ich würde am liebsten noch zehn Mal runterfahren, weil ich weiß, dass ich das ganz anders kann. Deswegen bin ich froh, dass wir morgen noch mal einen Super G haben“, sagte die 26-Jährige vom RSV Murnau.
Die Slalom-Bronzemedaillengewinnerin von Peking 2022 blickte deshalb direkt voraus auf die Super-Kombination: „Ich werde von Anfang an viel aggressiver fahren. Ich glaube, ich war auch von der Linie nicht da, wo ich sein sollte. Das gucke ich mir heute Nachmittag noch mal auf dem Video an und nehme mir vor, dass ich mich mehr traue, den Ski laufen zu lassen.“
Debütant Rauen mit viel Spaß bei erstem Paralympics-Auftritt
Alexander Rauen war nach seinem Paralympics-Debüt mit Guide Jeremias Wilke und Platz elf noch voller Adrenalin. „Es war super geil, ich hatte einen riesen Spaß. Ich war brutal nervös oben, aber ab dem ersten Tor hat alles gepasst, ich hatte einfach nur Bock, schnell zu fahren. Klar, der eine große Fehler – aber sonst hat es gepasst und macht mega Spaß im Zielbereich“, sagte der 24-Jährige vom TSV Kareth-Lappersdorf.
Sein Guide Jeremias Wilke kam auch kaum aus dem Grinsen heraus: „Ich habe ständig nur gehört, wie viel Spaß er hatte, es kam ständig so ein kleines Jubeln bei allem, was er gesagt hat. Ich habe mich zwischendurch mal umgedreht und dachte, der Abstand ist größer geworden, aber da war er einfach an mir dran. Mega!“ In der Super-Kombination wollen beide jetzt noch weiter nach vorne fahren, wie Rauen sagt: „Die Vorfreude ist jetzt noch mehr da, ich will im Super G näher dran sein und dann im Slalom den ein oder anderen überholen."
Am Dienstag wird zum deutschen Quartett auch der einbeinige Skifahrer Christoph „Grisu“ Glötzner hinzustoßen, der bislang in Cortina d’Ampezzo noch nicht gefahren ist. |
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